12 km
500 hm
zug (1,75h)
leicht
Erlebnisreiche Abkühlung an der Erlauf.
Durch die auch in unseren Breitengraden zunehmend wärmer werdenden Sommer muss sich leider auch unsere Tourenplanung mehr und mehr an die neuen Bedingungen anpassen. Während man noch vor wenigen Jahren noch Wochenende für Wochenende eine ausgedehnte Tagestour nach der anderen unter der prallen Sonne abspulen konnte, ist das für viele unangepasste Mitteleuropäerinnen und -Europäer bei 30+ Grad einfach nicht mehr möglich. Umso wichtiger wird daher eine entsprechende Tourenauswahl mit viel Schatten, Wasserstellen und etwaigen Bademöglichkeiten. Und die Erlaufschlucht erfüllt alle diese Kriterien mit Leichtigkeit.
Wir beginnen unsere Runde vom Bahnhof Purgstall/Erlauf. Das kleine Provinznest ist auch am Wochenende nicht wirklich ein Publikumsmagnet und so durchqueren wir das Ortszentrum, ohne dass uns auch nur eine Menschenseele begegnet. Erst nachdem wir die Erlauf das erste mal überschritten haben und das gegenüberliegende Erlauftalbad passieren, kommt etwas Leben in die Veranstaltung. Aber es ist ja auch noch früh und zudem brütend heiß.
Entlang der Parkgasse bahnen wir uns weiter den Weg durch die morgendliche Sommerhitze, bevor wir an deren Ende auf eine größere Straßenbrücke an der B25 treffen. Wir gehen über diese nach links und biegen dann gleich wieder nach rechts ab. Von der Brücke können wir erstmals erahnen, was uns auf den folgenden Kilometern erwartet und auch die Temperatur nimmt hier, rund zwanzig Meter über der Erlauf bereits spürbar ab.
Wir folgen kurz dem stark nach Fitness-Parcours anmutenden Forst- und Reitweg und stoßen kurz darauf auf den rechts abzweigenden Fischersteig eigentlichen Einstieg in die Schlucht. Über eine fast schon unnötig komfortable Metallstiege geht es hinunter in die schattenspendende Kühle des Bachlaufs. Dass der Weg aber nicht überall so pompös ausgebaut wurde, merken wir aber allerspätestens ein paar Meter weiter. Wir zwängen uns durch einen engen Durchschlupf an dem leicht überhängenden Talrand entlang. Schon ein kurzer Blick darauf genügt auch, um zu erkennen, dass es sich hier jedenfalls sicher nicht um keinen kompakten Kletterfelsen handelt. Etwas Vorsicht sollte man also dennoch walten lassen, um den brüchigen und mit Muscheln durchsetzetn Sedimentstein nicht frühzeitig wieder zurück ins Wasser zu befördern.
In dieser Weise geht es dann auch weiter. In sanftem Auf und Ab umschiffen wir abgebrochene Felsbrocken und schlüpfen durch enge Spalten im Gestein. Der sandige Boden und die bizarren Steinskulpturen erinnern dabei eher an Abenteuerspaziergänge auf einer Mittelmeerinsel, weniger an die niederösterreichische Einschicht. Sie erinnern aber auch daran, dass man sich bei Starkregenereignissen definitiv nicht hier aufhalten möchte. Die Spuren der Elemente sind hier deutlich zu erkennen und allein die Erhaltung des Weges fordert sicher enormen Aufwand und entsprechende Ressourcen. Geradezu als Bestätigung dessen, stehen wir wenig später vor einem massiven Holzverschlag. Hier heißt es erstmal “Weg zu Ende”. Aufgrund der Erosion ist der Weiterweg für Wegerhaltungsarbeiten gesperrt. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die paar Höhenmeter wieder aufzusteigen, um auf den Begleitweg am oberen Rand der Schlucht zu wechseln.
Erst am Praterrohsteg führt uns die Beschilderung wieder auf den eigentlichen Steig zurück. Wir unterqueren die Brücke und finden uns in einem wahren Disneyland der Natur wieder. Wir wandern durch eine von Schlingpflanzen wie mit einem Vorhang verhangene Halbhöhle, kommen immer wieder bis wenige Zentimeter an die türkisblaue Erlauf heran und überwinden kleinere Hindernisse mit sparsam gesetzten Steighilfen. Am Ende dieses mittleren Abschnitt finden wir uns unter einer bedrohlich überhängenden Decke aus Sedimentgestein wieder, in welcher sich (wieso auch immer) auch eine kleine Überraschung für alle Nicht-Arachnophobiker:innen versteckt hält. Kurz daraauf stoßen wir mit der Romantikbrücke, auf das zweite Bauwerk im Wegverlauf, das die Erlaufschlucht überspannt. Für viele Wanderinnen und Wanderer bedeutet dies auch den durchaus logischen Umkehrpunkt ihrer Tour. Auch endet hier die durchgehende Markierung der entsprechenden offiziellen Rundtouren.
Wir haben aber noch lange nicht genug (immerhin ist die Anreise von Wien auch nicht gerade ein Katzensprung) und marschieren munter weiter. Von nun an merkt man deutlich, dass sich das Gelände öffnet und somit das Ende der Schlucht bald erreicht ist. Der Weg verläuft zunehmend geradliniger und auch die Vegetation nimmt spürbar zu, was auch damit zu erklären ist, dass hier deutlich mehr Sonne ihren Weg in den Uferbereich findet. Wir schreiten an Schachtelhalmen vorbei, die hier fleißig aus dem Sandboden sprießen und finden uns bald darauf auf einer völlig zugewucherten Schotterbank wieder, die am anderen Ufer von einer eindrucksvollen Schlierwand eingefasst wird. Hier hilft aufgrund des starken Bewuchses am Ende nur mehr der Rückzug, beziehungsweise die Rückkehr zur wohlbekannten Wanderautobahn. Also zurück nach links und hinauf auf die gemütliche Schotterpiste. Dabei stoßen wir auch immer wieder auf Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Purgstall aus dem Ersten Weltkrieg. Ein paar Schilder informieren über die durchaus interessante Geschichte dieses Ortes, bevor wir ganz am Ende noch den überraschend beschaulichen Lagerfriedhof passieren.
Kurze Zeit später stehen wir erstmals wieder richtig “im Freien”. Der schattige Wanderweg spuckt uns direkt auf einem sonnigen Feldweg aus. Wir folgen diesem ein kurzes Stück und überqueren wieder einmal die Erlauf über die sogenannte Tramplerbrücke. Auch wenn die Anwohnerinnen und Anwohner mit dem Schild “Privatweg” (vermutlich nicht ganz unbewusst) leichte Zweifel sähen, spazieren wir gemütlich über die Zufahrtsstraße weiter nach Osten. Dass die Beschilderung für Fußgängerinnen und Spaziergänger natürlich keinerlei Bewandtnis hat und hier sicher schon seit Jahrzehnten ein in Karten markierter Wanderweg vorbeiführt, macht die Entscheidung natürlich relativ einfach. Kurz vor dem letzten Haus führt der Panzerweg links den Hang hinauf. Der Zustand des Hol- und Forstwegs lässt aber vermuten, dass das Taferl von vorhin durchaus seine Wirkung nicht ganz verfehlt hat. Steil und morastig geht es hier die ehemalige Uferböschung nach oben. Am oberen Ende wartet aber ein herrlicher Ausblick auf die Erlauf und die nähere Umgebung. Ein paar Meter südlich streift der Blick sogar weit ins Ötscherland hinein, auch wenn von den ehemals hier befindlichen Aussichtsplattformen nur mehr Reste zu erkennen sind und deshalb eine Rast hier auch nur mittelkomfortabel zu bewerkstelligen ist.
Wir steigen also wieder hinunter zur Erlauf um uns eine wohlverdiente Abkühlung zu gönnen. Nach dem Türkensturz ist ja bekanntlich vor dem Türkensturz, oder so ähnlich. Denn immerhin heißen hier -zumindest laut Karte- beide aufeinanderfolgenden Schlierwände, die wir nun passieren so. Der ganzen historisch gesehen absolut bemitleidenswert-dämlichen Geschichte von Jungfrauen, die marodierende “Türken” ins Unglück reiten ließen kann ich persönlich nicht viel abgewinnen. Immerhin heißt in Niederösterreich gefühlt jede zweite steil abfallende Felswand irgendetwas mit Türkensturz, und jede dritte Höhle Türkenloch. Über einen äußerst steilen Pfad begeben wir uns nach unten zur alten Römerfurt am Fuße der ersten Schlierwand. Hier befindet sich auch ein sehr netter Badeplatz und wer sich in die durchaus frische Erlauf wagen möchte, kann hier standesgemäß Rast einlegen. Der Weg zurück zum Bahnhof verläuft dann wortwörtlich sehr geradlinig. Wir passieren mit der Bergmühle ein ausgedehntes Bauernhaus, dann verläuft der Weg immer parallel zur Erlauf an deren oberem Ende. Ab der Romantikbrücke ist der Pfad dann auch wieder gut ausgebaut und markiert, zudem laden immer wieder befestigte Aussichtspunkte zum Verweilen und genießen ein. Einziger Malus ist der fehlende Schatten, bei der Rückreise auf der östlichen Erlaufseite ist eine Kopfbedeckung jedenfalls sehr zu empfehlen. Schlussendlich treffen wir an der Bundesstraße wieder auf den Hinweg und begeben uns entlang von Schlosspark und Freibad wieder zurück zum Ausgangspunkt. Absoluter (Geheim-)Tipp ist dabei noch das Feichsengasserl, welches entlang des gleichnamigen Baches wildromantisch direkt zum Bahnhof zurückführt.