27 km
1500 hm
zug + bus (3h)
mittel
Der lange Gang auf den “Schwab”.
Der Hochschwab ist ein wahrer Magnet für alle Bergsportlerinnen und Bergsportler zwischen Graz und Wien und wird sommers wie winters gerne begangen. Das gut 40 Kilometer lange gleichnamige Massiv bildet auch einen bedeutenden Schritt in Richtung Hochgebirge, denn während man sich auf Schneeberg, Rax und Schöckl noch in -relativ- gesichertem Wanderraum bewegt, in dem die nächste Hütte oder Seilbahn gefühlt nie mehr als 30 Minuten entfernt ist, gibt sich der Schwab deutlich unnahbarer. Gepaart mit den großen Distanzen und dem oft schnell und heftig umschlagenden Wetter, auch geschuldet der exponierten Lage, ist eine gute Tourenplanung das A(lpha) und O(mega).
Dass der Hochschwab zumindest von der Seewiesen aus auch gut mit den Öffis erreichbar ist, wissen nicht viele. Entsprechend defilieren Autokorsos an uns vorbei in Richtung Parkplatz, der schon am frühen Vormittag brechend voll ist. Am bei Hochschwab-Connaisseuren wohlbekannten Schranken startet dann mit dem Lettangerweg die Forststraße Richtung hinterem Talende. Gut vier Kilometer flache Schotterstraße stehen uns nun bevor, während sich langsam um uns herum die Felswände zusammenziehen. Diesen Part darf man insbesondere auf Skitour nicht unterschätzen, da man die Ski oft bis weit hinein tragen muss oder bei schlecht gewachselten Skiern der Rückweg mehr dem Langlaufen gleicht, als einem Super-G. Spannend sind auch immer die hier oft offenkundigen Spuren von Schmelzwasser und Sturzbächen, die uns bewusst machen mit wie viel Kraft das nasse Element hier in Bewegung sein muss. Kurz vor der Talstation der Materialseilbahn zweigt der Wanderweg nach links in den Bösen Wald ab. Zuerst moderat, dann schon etwas anregender führt dieser dann den Bergwald hinauf.
Wir marschieren zuerst parallel zu, dann später durch einen breiten Graben, einem im Sommer ausgetrockneten Bachbett und arbeiten uns dann bei neuer Wegführung rechts einen kleinen Kamm hinauf. Dieser führt uns dann in direkter Linie durch ein kurzes Waldstück zur privaten (!) Flörlhütte. Die schlechten Bewertungen auf diversen Karten-Apps zeugen davon, dass sich diese Info noch bei weitem nicht bei allen Besucher:innen herumgesprochen haben. Wir steigen weiter über den gemütlichen Wanderweg, passieren eine traumhafte Blumenwiese und steigen dann in die Untere Dullwitz. Dieser schlauchartige Graben führt uns dann über eine kurze Steilstufe hinauf zum Höllkampl, wo das Franzosenkreuz an eine Stellung der Einheimischen in den Napoleonischen Kriegen erinnert. Für viele Neuankömmlinge überraschend geht es jetzt kurz bergab auf einen flachen Talboden. Hier erblicken wir zudem das erste Mal die nahe Voisthaler Hütte.
Wir durchqueren rasch das kurze Flachstück und machen uns an den im Sommer unkomplizierten, im Winter oft hingegen etwas nervenaufreibenden, Aufstieg durch die Voisthalergasse. Die felsige Engstelle im Gelände ist zwar steil, aber dennoch gemütlich erwanderbar und stellt somit kein großes Hindernis auch für weniger bergaffine Personen dar. Zumindest die namensgebende Hütte sollte also für halbwegs fitte Wandersleute, egal ob groß oder klein, leicht zu schaffen sein. Vorbei an der verlockenden Hütte, die sich hinter einer kleinen Kuppe versteckt hält, schreiten wir weiter in die Obere Dullwitz. Dieser Abschnitt ist relativ flach und bietet eine willkommene Verschnaufpause, bevor es gleich ordentlich bergauf geht. Ein Knick im Gelände gibt dann den Blick auf den Hochschwab-Gipfel frei. An der imposanten Südostwand können wir dann auch relativ gut abschätzen, was da noch vor uns liegt. Und nein, der normale Anstieg führt da natürlich nicht gerade rauf, er biegt kurz vor der Naturarena am Ende der Dullwitz nach rechts ab und kämpft sich nunmehr als Graf-Meran-Steig einen relativ steilen Abhang hinauf. Im Winter finde ich den Abschnitt tatsächlich sogar angenehmer zu gehen, sommers kosten die vielen kleinen Richtungswechsel auf instabilem Untergrund gepaart mit ein paar kleinen Felsstufen um einiges mehr Zeit und Energie. Am oberen Ende des Steilabschnitts begrüßt uns eine Markierungsstange, die auch einen weiteren Wechsel im Gelände ankündigt.
Wir haben nunmehr das Hochplateau erreicht. Das heißt natürlich nicht, dass wir schon am Ziel sind, im Gegenteil, aber der Gipfel ist damit zumindest höhenmetertechnisch in greifbare Nähe gerückt. Es hat sich mit dem Geländewechsel aber auch der Charakter der Umgebung spürbar geändert. Abgewaschene Felsformationen, Karst und Dolinen prägen das Bild, die Vegetation tritt merklich in den Hintergrund. Zur Orientierung dienen, wie bereits am Ausstieg aus dem Steilstück des Graf-Meran-Steig Stangen, die auch im Winter bei Schneelage den Weg weisen. In leichtem Auf und Ab arbeiten wir uns in einem weiten Bogen Richtung Hochschwab. Wir umgehen eine größere Senke, steigen dann über eine kurze Engstelle hinweg (rechts imposante Doline/Halbhöhle; Vorsicht im Winter!) und überqueren dann eine letzte Kuppe und stehen dann fast ein wenig überraschend vor dem Gipfelaufbau des Hochschwab. Das Gipfelkreuz des 2277m hohen Kollegen erreichen wir dann links den grasbewachsenen Hügel hoch, queren aber zuvor noch einen weiteren Dolinenschacht über einen doch recht schmalen Trampelpfad (auch hier im Winter etwas Konzentration).
Eine letzte Steilstufe und ein kurzer Anstieg über den Bergrücken liegen nun nur noch zwischen uns und unserem Gipfelglück. Vom Gipfelkreuz eröffnet sich ein herrliches 360°-Panorama und auch auf das nahe Schiestlhaus und seine nahe Terasse kann man von hier aus gut einen Blick werfen. Wir verzichten aber auf eine Einkehr und machen uns an den Rückweg. Auf uns wartet nämlich ein Bett und ein leckeres Abendessen auf der Voisthalerhütte. Wer schon den Weg auf den Hochschwab auf sich nimmt, sollte durchaus mit dem gedanken spielen, eine Nacht auf einer der Hütten zu verbringen. Nicht aus einer Notwendigkeit heraus, die Touren sind für sportliche Bergwanderer meist auch noch gut in einem Tag machbar, sondern aus reiner Lust und bewusstem Müßiggang.