Großer Neukogel - Von Gutenstein nach Pernitz

14. Dezember 2025

Details
Gutenstein-Großer Neukogel-Pernitz

17 km

1100 hm

zug (1,5h)

mittel

Kammwanderung über den vielleicht steilsten 1000er der Alpen.

Die Gutensteiner Alpen sind durch die gute (stündliche) Anbindung perfekt geeignet für spontane Ausflüge ins Gemüse und auch um dem hartnäckigen städtischen Nebel zu entfliehen. Gerade richtig für einen solch herbstlichen Dezembertag.

 

Los geht’s von der Endstation der Lokalbahnlinie in Gutenstein. Wir wandern zuerst recht unspektakulär entlang Piesting und B21 weiter ins Talinnere, bevor wir eine Engstelle im Gelände durchschreiten. Neben der Christusgrotte linkerhand, drängt sich vor allem der vor uns aufragende Mariahilfberg auffällig ins Blickfeld mit Wallfahrtskirche und Servitenkloster mit Wurzeln aus dem 17. Jahrhundert. Wir suchen heute aber definitiv mehr nach physischen Höhen, als nach spirituellen, weshalb wir direkt hinter dem hinter einer kleinen Mauer verborgenen Luftschutzstollen links auf den Taborweg einbiegen, der uns zu einem alten Hochbehälter führt. Dann wird die Wegführung etwas tricky (kleiner Spoiler: so wird es uns heute noch öfters gehen). Während uns die Karte links herum schickt zuerst über die Forststraße und dann rechts hinauf, führt die blau-weiße Markierung und damit der richtige Aufstiegsweg rechts am Hochbehälter vorbei.

Und dann geht es so richtig zur Sache. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht auch ein wenig an meiner schlechten Konstitution nach überstandener Krankheit liegt, aber einen so steilen Wanderweg habe ich gefühlt noch nie gesehen. Während sich normalerweisse Steige einem Steilstück in Serpentinen nähert und so die Steigung entschärft, hat sich der hiesige Wegschöpfer wohl gedacht: “I’ve got places to be” und von unten weg eine schnürlgerade Spur nach oben gezogen, die, nur entschärft durch ein zwei Flachstücke, dem Kammverlauf nach oben folgt. Der schmale Pfad vereinigt sich recht unvermittelt mit einer Forststraße, passiert einen sehr netten Aussichtsplatz mit Blick auf die umliegenden Hügel und folgt dann weiter stur der Kammlinie.

Kurz geht es noch einmal über eine recht grob in die Natur gehauene Schotterpiste, dann biegt der Aufstiegsweg links ins Gemüse ab. Das Gelände verengt sich spürbar und man bekommt immer mehr echtes “Bergfeeling”. Teils elendig steil und auf schmalen, leicht abschüssigen Pfaden erwandern wir uns Höhenmeter um Höhenmeter. Bei einem großen Felsblock verlassen wir kurz den Kammverlauf und traversieren einen steilen Waldhang. Im Sommer absolut unspektakulär, bei Schneelage sollte man diese Tour aber wohl nur mit Bedacht und der richtigen Ausrüstung begehen. Nach einem letzten elendig steilen und fast schon weglosen Aufschwung landen wir plötzlich auf einer weiteren Forststraße, die uns hinüber zum Ziel unseres Anstiegs geleitet.

Der Gipfel des Großen Neukogel (1053m) fällt dann fast schon enttäuschend unspektakulär aus. Nur ein kleines Kreuz samt Gipfelbuch, sowie ein Hinweisschild weisen den bewaldeten Gupf als die höchste Erhebung der Gegend und damit auch den höchsten Punkt unserer heutigen Tour aus. 

 

Am Gipfel weisen zwei sehr  nette und liebenswürdige Wandersleute auf eine kommende Wegsperre hin, die sie zum Umkehren gezwungen habe. Lassen wir uns davon aber nicht beirren, denn  wie wir gleich sehen werden, handelt es sich um ein unglückliches Missverständnis ihrerseits.

 

Nach einer kurzen Verschnaufpause und dem obligatorischen Eintrag ins Gipfelbuch machen wir uns an den etwas weniger steilen, aber dennoch anstrengenden Abstieg Richtung Pernitz. Vor allem das viele Laub und die doch etwas rutschigen Bedingungen erschweren das Hinunterlaufen und das flaue Gefühl der möglichen Wegsperre macht die Beine auch nicht unbedingt leichter. Bald treffen wir auch auf den Grund des Ungemachs. Ein durchaus imposanter Wildzaun wird bald zu unserem treuen Begleiter. Die Spuren auf der anderen Seite lassen auch darauf schließen, dass dieser auch nicht ganz umsonst hier in der Gegend steht, die umgeackerte Erde sagt schon fast mehr Klondike in den 1890ern, als Niederösterreichische Einschicht 2025. Immer weiter hanteln wir uns an dem (gerne besungenen) Maschendrahtzaun entlang, bis unsere Wanderschaft ein abruptes Ende nimmt. Vor einer kleinen Felskuppel heißt es plötzlich “Weg-Aus”. Was meine Vorgänger hier allerdings völlig misinterpretiert haben, ist das nicht sehr subtile grüne Drehkreuz, mit seinen Hinweisschildern. Diese Warnen zwar vor den Gefahren des Wildgeheges, verbieten aber explizit nicht das Betreten. Denn der Wanderweg führt eben tatsächlich genau hier durch.

 

Also immer hinein in die gute Tierstube. Dem Zustand des Weges nach zu urteilen, dürfte es hier vor Tieren nur so wimmeln. Der ist nämlich absolut katastrophal und teils so umgeackert, dass man gerne Erdäpfel anpflanzen würde. Mehr Angst als vor etwaigen Tierbegegnungen bereitet allerdings die Präsenz von unzählbaren Schieß- und Jägerständen in der Gegend. Die Wegfindung erreicht wieder einmal einen vorübergehenden Tiefpunkt. Markierungen sind schwer auszumachen und die unzähligen Steigspuren unmöglich richtig zu interpretieren. Wer beim Abstieg den pittoresken Dunkelstein (828m) erreicht, ist jedenfalls zu weit gegangen. Über die Forststraße linkerhand gelangen wir aber sogleich wieder auf den richtigen Pfad. Etwas unbeholfen steigen wir weiter hinunter Richtung Nebelsuppe. Kurz vor dem kleinen Gegenanstieg auf den Hauskogel treffen wir wieder auf die Umzäunung des Wildgeheges.

Für die schon recht fortgeschrittene Tour ordentlich steil geht es in einem Gegenanstieg entlang des Zaunes noch einmal hinauf auf den unscheinbaren Hauskogel (732m), bevor wir in einer kleinen Senke das Wildgehege durch ein weiteres Drehkreuz verlassen. Es folgt ein wenig schmeichelhafter Hatscher über Forst- und Holwege, bevor wir offenes Gelände und damit die Ochsenheide erreichen. Am Sattel treffen wir dann auch auf die auch um diese Uhrzeit überraschend stark frequentierte Ochsenheidestraße von Neusiedl nach Waidmannsfeld.

Der Name Waidmannsfeld ist dann auch Programm, denn nach dem Überqueren der Landstraße, brausen zwei gigantische Pick-Ups die Forststraße auf den Kitzberg hinauf. Offentlich legen die Herren mit den langen harten Schießeisen weder Wert auf rücksichtsvolles Fahrverhalten, noch auf das ordentliche Grüßen von Passanten.

 

Der Weg hinauf zum Rudolf-Fordinal-Haus ist ansonsten aber völlig unspektakulär. Eine langgezogene Schotterpiste führt in einem weiten Bogen nach oben und erst kurz vor der Hütte öffnet sich das Gelände und gibt den Blick auf die umliegende Landschaft frei. Die Freifläche, gerade oberhalb der Nebelgrenze ergibt dabei in der Abenddämmerung ein geradezu magisches Bild ab.

 

Einzig die beiden zwideren Herren der Jägerszunft, die gerade mit ihren Gewehren die Wiese hinaufstapfen, trüben spürbar die Stimmung. Vorsorglich drehe ich die Stirnlampe auf, nicht dass mich noch jemand für ein Wildschwein, oder -Gott bewahre- für einen großen Beutegreifer von der Roten Liste hält. Als Kind vom Lande weiß ich, dass es sciher nicht die absurdeste Verwechslung wäre, die Waidmännern mit leichtem Hang zum Alkoholmissbrauch so unterlaufen  wäre, vermutlich nicht einmal ein Platz unter den Top 10 in meinem Heimatbezirk.

Vorbei an der -leider gerade geschlossenen- Hütte führt uns der Weg in einem Halbkreis wieder zurück zur großen Wiesenfläche.

 

Wir genießen noch einmal den Blick nach Südosten, bevor es auf der gegenüberliegenden Seite steil in den Wald hinuntergeht. Zuerst über einen schmalen schattigen Waldweg, später über eine gut ausgebaute Forststraße arbeiten wir uns Richtung Tal vor. In der aufkommenden Dämmerung ist hier eine Stirnlampe definitv von Vorteil, auch um den teils verwachsenen Weg ausmachen zu können. Die letzten Kilometer radeln wir dann auf einer serpentinenartig angelegten Schotterstraße ab, die uns in langen Zügen hinunter zum Schranken in Neusiedl führt. Von dort sind es nur wenige hundert Meter entlang der Straße bis zur Bahnhaltestelle Pernitz-Wipfelhofstraße. Nicht direkt die nobelste Adresse, aber für eine kleine Stärkung und einen warmen Sitzplatz bietet das Cafè der nahen Tankstelle den idealen Ort, samt Toilette und Betrieb bis 22 Uhr.

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